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14.03.2007: Die Mutter des Eishockeys

Volkssport Bandy

Nanu? Ein Volkssport den keiner kennt – wie geht das denn? Die Erklärung ist ganz einfach: Bandy befindet sich im Winterschlaf. Nun ist ein hundertjähriger Winterschlaf keine gute Voraussetzung für einen Volkssport.

 

 

 


Bildquelle: wikipedia


Ganz besonders nicht für einen winterlichen. Dabei waren Bandy und ihm verwandte Spiele in Nord- und Nordosteuropa Jahrhunderte lang ein beliebter Sport. Das Spiel paart die Rasanz des Eishockeys mit der technischen Finesse aus dem Feldhockey. Die Grundidee ist denkar einfach. Auf einer ungefähr fußballfeldgroßen Eisfläche gehen zweimal 10 Spieler mit einem 125cm langen Schläger und einem 6cm großen Ball auf Torejagd. Hinzu kommt ein Torwart, der seinen – dem Feldhockeytor sehr ähnlichen – Kasten ohne Schläger verteidigt.

Ein offizieller Spielbetrieb wurde aber trotz der weiten Verbreitung im Volk erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgenommen. Unglücklicherweise also in etwa zu der Zeit, als in Kanada aus dem Bandyball der Eishockeypuck wurde. Aufgrund erheblich einfacherer Spielvoraussetzungen wie den kleineren Teams und der Wetterunabhängigkeit verdrängte die körperbetonte nordamerikanische Spielweise ihre Muttersportart in vielen der noch jungen Bandyvereine.

Lediglich in Skandinavien und der Sowjetunion wurde die Tradition des Spiels kontinuierlich gepflegt. So waren es die vier Nationen Finnland, Norwegen, Schweden und die ehemalige Sowjetunion, welche 1955 die Federation of International Bandy gründeten. Jahrelang spielten sie den Weltmeistertitel nur unter sich aus, bevor die Faszination Ende des 20. Jahrhunderts auch in Nordamerika, Osteuropa und den Niederlanden wieder entflammte.


In Deutschland befindet sich Bandy aber weiterhin im Winterschlaf. Es gibt zwar vereinzelte Angebote in Vereinen, aber der wahrscheinlich (noch) einzige prominente „Vertreter“ dieser Sportart dürfte Eduard Lewandowski sein. Der Eishockeynationalspieler jagte in jungen Jahren in Russland noch dem Ball nach, bevor er in Deutschland mangels Alternativen auf die Scheibe umsatteln musste.

Der Hauptgrund für das langsame Erwachen ist die Modifikation zu der Variante Rink-Bandy. Dieses kann mit nur jeweils sechs Spielern auf jeder normalen Eishockeyfläche gespielt werden. So ist der Tochtersport im Endeffekt wohl nicht nur fürs Einschlafen sondern auch für das Aufwachen des einstigen Volkssports verantwortlich.

Text: Kevin Ritter

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