13.08.2010: Über das Zureiten von Drahteseln

“Komm Oma, wir machen eine Radtour“, sagt der fünfjährige Lenard zu seiner Großmutter. Verschämt rollt die taffe, allwissende und gestandene Oma ihr Dreirad aus der Garage „Ich kann nicht Zweiradfahren.“ Um etwa diesem Szenario vorzubeugen, organisiert der ADFC Fahrradkurse für Erwachsene.
Was für viele schon seit früher Kindheit eine Selbstverständlichkeit ist, haben andere nie gelernt oder es wieder verlernt. Nicht Radfahren zu können - dieses Eingeständnis stößt oft auf Unverständnis.
Um den Betroffenen die Lebensqualität der zweirädrigen Bewegungsfreiheit zu geben, bietet der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) in verschiedenen Städten Radkurse für Erwachsene und Jugendliche an. Ziel ist es, Fahranfängern oder Wiederaufsteigern die Möglichkeit zu geben, unter Anweisungen den Drahtesel sicher beherrschen zu lernen.
Herr Klama, Medienreferent vom ADFC erklärt: „Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Erwachsene oder Jugendliche nicht Fahrrad fahren können. Die einen hatten keine Gelegenheit Fahrradfahren zu lernen, die anderen sahen keinen Nutzen darin, sich per Fahrrad fortzubewegen. In einigen Kulturkreisen ist es unüblich oder sogar verboten Fahrrad zu fahren.“
Kinder in unserem Kulturkreis lernen das Zweiradfahren bei ausreichender koordinativer Entwicklung meist im Alter von fünf bis sechs Jahren - selbstständig und ohne Angst. Wer sich im Erwachsenenalter auf das Rad schwingen will, lernt anders, er braucht manchmal Hilfestellungen oder Tipps.
Ohne Angst in die Pedalen treten

„Es muss gewährleistet sein, dass alle Teilnehmer ohne Angst sich dem Radfahren nähern können. Der methodische Ablauf eines Radkurses beginnt deshalb mit dem Schieben des Rades. Manche Schulen verwenden zu Beginn auch Tretroller, um die nötige Gleichgewichtsfähigkeit zu schulen.“ so Klama.
Die Einheiten der Kurse bauen methodisch aufeinander auf. Jeder Teilnehmer lernt in seiner eigenen Geschwindigkeit. Leute die Angst haben oder nach einem Fahrradunfall sich nicht wieder überwinden konnten auf das Rad zu steigen, finden in den Kursen individuelle Betreuung.
Zu den weiteren Inhalten der Kurse zählen sicheres Auf- und Absteigen, Gleichgewicht halten, Ausweichen und Bremsen.
Fortschritte sind schnell erkennbar, so dass die Radneulinge am Ende des Kurses die erste Fahrradtour bewältigen können.
Der Frauenanteil bei den ADFC Einsteigerkursen ist deutlich höher als die männliche Beteiligung. Etwa 90 Prozent der Teilnehmer sind weiblich. Voraussetzungen für eine Teilnahme gibt es nicht. Sogar das Fahrrad und der Fahrradhelm werden von den Radschulen gestellt. Die Kosten für diese Einsteigerkurse liegen zwischen 50 und 200 Euro.
Lernards Oma ist mittlerweile eine begeisterte Radfahrerin, die manchmal sogar ihrem Enkel davon fährt.
Eine Auflistung der Fahrradschulen findet ihr hier.
Fotos: M. Löwe, Y.Louis, A. Kirsch, www.ADFC.de
Text: Jutta Kühle